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Exkursion zur Wanderausstellung „Behindern verhindern“ in der Handwerkskammer Chemnitz

 

Am 05.12.2019 besuchte die Klasse der Sozialassistenten - SAS 19 - die Handwerkskammer in Chemnitz. Im Zusammenhang mit dem Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember lud diese zum Wissenserwerb über die Thematik „Inklusion“ ein. Mit der Wanderausstellung „Behindern verhindern“ informierte das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz (SMS) über Unterstützungsformen, Förderprogramme und Modellprojekte des Freistaates, welche die Rahmenbedingungen von Menschen mit Behinderungen in den Lebensbereichen Kommunikation, Wohnen, (persönliche) Mobilität, Kultur, Bildung, Arbeit und Pflege verbessern und stetig weiterentwickeln sollen. Die Sicherung der Teilhabe in sämtlichen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens ist seit 1990 ein wichtiges Anliegen der Sächsischen Staatsregierung und wurde explizit im Artikel 7 der Sächsischen Verfassung verankert. Dabei ist der Perspektivwechsel vom Einzelnen hin zu den Faktoren, die ihn umgeben, von zentraler Bedeutung: Der Mensch wird erst in der Interaktion mit Einstellungen und Umweltbedingungen behindert, die ihn an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern.

 

Informationswände, Materialien zum Anschauen und Ausprobieren sowie eine eigens hierfür erstellte Präsentation von Sandra Nikolai, Inklusionsberaterin der Handwerkskammer Chemnitz, boten den Schülern die Gelegenheit, sich mit spezifischen Behinderungsarten und deren entsprechenden Barrieren auseinanderzusetzen sowie (alltägliche) Einschränkungen von Menschen mit diesen Behinderungsformen nachzuempfinden, um schließlich durch Erfahrungs- und Informationszuwachs vorhandene Berührungsängste abzubauen.

 

Im Anschluss fassten die Schüler der Sozialassistent*innenklasse 19 die Exkursion treffend zusammen: „Der heutige Ausflug zur Wanderausstellung ,,Behindern verhindern“ diente dazu, uns auf das kommende Praktikum vorzubereiten. Außerdem verschaffte uns der Ausflug einen Einblick in das Leben eines Menschen mit Behinderung und wies uns auf dessen Probleme hin. Der Ausflug verhalf uns dazu, uns in Menschen mit Behinderung hineinzuversetzen“.

 

Besonders die Informationen darüber, dass…

  • 733.817 Menschen in Sachsen eine festgestellte Behinderung haben
  • in Sachsen 471.192 Menschen als schwerbehindert gelten
  • die Deutsche Gebärdensprache erst durch das Inkrafttreten des Behindertengleichstellungsgesetzes im Jahr 2002 als eigenständige Sprache anerkannt wurde
  • es weltweit etwa 200 verschiedene Gebärdensprachen gibt
  • und jedes Land seine eigene nationale Gebärdensprache hat, in der sich auch regional Dialekte entwickelt haben

 

sowie die prägnanten Betitelungen der Informationswände

 

„Mit Gendefekt ein toller Hecht!“

„Tourette und das beste Pferd im Stall!“

„Im Rollstuhl wissen, wie der Hase läuft!“

„Blind wie ein Maulwurf seinen Weg machen!“

„Kleinwüchsig und ein Gedächtnis wie ein Elefant!“

„Taub und die Flöhe husten hören!“

„Ohne Hände den Stier bei den Hörnern packen!“ 

 

vermochten bei den zukünftigen Sozialassistent*innen Assoziationen zu wecken und hinterließen bleibende Eindrücke.

 

Die Exkursion abschließend wurde die Ausstellung gemeinsam ausgewertet. Ein Großteil der Schüler gab dabei an, die Ausstellung sehr interessant, informativ, abwechslungsreich und spannend erlebt zu haben, wobei besonders das Selbsterleben bzw. Ausprobieren der unterschiedlichen Hilfsmittel sowie Barrieren positiv hervorgehoben wurde. Als Kritikpunkte wurden die niedrige Anzahl der Aufsteller, die Nähe zum Eingangsbereich und die als zu gering empfundene Fläche für die Ausstellung heraus kristallisiert. Die Meinung, dass die Ausstellung als lehrreich, informativ und abwechslungsreich beurteilt wurde, jedoch schöner gestaltet hätte werden können, überwog schließlich unter den Schülern.

 

Test der Barrierefreiheit in Chemnitz

 

Eine zusätzliche Aufgabe der Auszubildenden war es, in kleinen Gruppen die Innenstadt von Chemnitz zu begehen, um den (sichtbaren) Bevölkerungsanteil, mögliche Barrieren aber auch Unterstützungssysteme für Menschen mit Behinderungen zu explorieren.

Dabei wurde ermittelt, dass der Zugang zum öffentlichen Raum - insbesondere im Bereich des Weihnachtsmarkts - zum einen durch die große Menschenmenge und zum anderen durch die musikalische Beschallung v.a. für sehbeeinträchtigte Menschen stark eingeschränkt ist. Des Weiteren wurde beobachtet, dass die Geschäfte und Supermärkte in der Chemnitzer Innenstadt oftmals nicht barrierefrei sind. Zudem ist augenscheinlich gewesen, dass die Bodenbeschaffenheit (Kopfsteinpflaster) auf dem Marktplatz für Rollstuhlfahrer ungeeignet ist. Als positiv wurden die Maßnahmen erachtet, die zur barrierefreien Umweltgestaltung eingesetzt werden, wie beispielsweise Fahrstühle, Geländer, barrierefreier Kabelschutz oder barrierefreie Bushaltestellen. Diese erleichtern insbesondere Menschen mit eingeschränkten Gehmöglichkeiten die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.